Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Shop

URLAUBSARCHITEKTUR ist das füh­rende Web­portal für archi­tek­to­nisch bei­spiel­ge­bende Feri­en­häuser. Wir geben auch preis­ge­krönten Cof­fee­table-Bücher heraus – diese sind im Buch­handel erhältlich und in unserem Shop.

Über uns

Was wir machen: ein beson­deres Netzwerk für besondere Häuser.

Wie funk­tio­niert Urlaubs­ar­chi­tektur?

Wie Sie mit Urlaubs­ar­chi­tektur Ihr Feri­en­do­mizil finden und wo Sie es buchen können.

Partner werden

Ihr Haus passt zu Urlaubs­ar­chi­tektur? Zeit, dass wir uns ken­nen­lernen!

Real Estate

For sale! Hier finden Sie unsere aktu­ellen Ver­kaufs­an­gebote. Angebote und Gesuche von span­nenden Immo­bilien.

Insights Ohne Titel
urlaubsarchitektur.de
Zu Ver­kaufen Real Estate: Casa Balat
Plat­ten­bauten haben kein gutes Image und sind vor allem beliebt als Rück­bau­objekt. Palais Brut zeigt, welche Qua­li­täten ent­stehen können, wenn man ihr Potenzial erkennt und dieses sorgsam her­aus­ar­beitet. Diese Platte könnte Schule machen. 

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.


Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Spaces

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.

Bauen im Bestand: Die Mär vom häss­lichen Entlein

Plattenbauten haben kein gutes Image und sind vor allem beliebt als Rückbauobjekt. Palais Brut zeigt, welche Qualitäten entstehen können, wenn man ihr Potenzial erkennt und dieses sorgsam herausarbeitet. Diese Platte könnte Schule machen. 

von Frederik Fischer im September 2024

 Bauen im Bestand: Die Mär vom häss­lichen Entlein in  /

Für URLAUBSARCHITEKTUR hat sich Fre­derik Fischer mit dem Besitzer Patrick Petzold und dem Archi­tekten Hans Sasse unter­halten, die gemeinsam einen WBS 70-Plat­tenbau am Rande der Mär­ki­schen Schweiz in das heutige Palais Brut trans­for­miert haben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diesen Plat­tenbau in das Palais Brut zu ver­wandeln?

Patrick Petzold: Das hat sich in vielen kleinen Schritten ergeben. Ich kenne die Region, weil ich vor etwa zehn Jahren einen Bun­galow in der Nähe gekauft und dort mit meiner Familie viel Zeit ver­bracht habe – ins­be­sondere während des Lock­downs. In dieser Zeit reifte auch der Plan, einen Plat­tenbau zu trans­for­mieren. Ich ent­deckte das Objekt auf Immo­Scout, fuhr mit meiner Frau hin und wir waren beide direkt begeistert; von der Lage, vom Grund­stück und von der Kubatur des Gebäudes. In der heim­lichen Hoffnung, er würde uns diese ver­rückte Idee aus­reden, rief ich Hans Sasse an, einen Archi­tekten, dem ich schon lange ver­traue. Die Hoffnung wurde ent­täuscht. Auch Hans war begeistert.

Wie ging es dann weiter?

Patrick Petzold: Wir benö­tigten einen Kredit und machten uns auf die Suche nach einer Bank. Meine Frau und ich waren fest­an­ge­stellt und ver­dienten gut. Ich war daher zuver­sichtlich, dass wir bei der Finan­zierung keine Pro­bleme bekommen würden.  Das war eine Fehl­ein­schätzung. Die Banken lehnten uns rei­hen­weise ab. Das Problem waren nicht wir. Das Problem war der Gebäu­detyp. Die meisten Banken, mit denen wir sprachen, finan­zierten einfach keine Plat­ten­bauten.

Ist das eine Ver­mutung oder haben euch die Banken das explizit so gesagt?

Patrick Petzold: Das haben mehrere Banken ganz offen so gesagt. Eine Bank hätte uns finan­ziert, aber nur mit 30 Prozent Eigen­ka­pital in einer Zeit, in der höchstens 10 Prozent markt­üblich waren. Wir hatten dann das Glück, die lokale Spar­kasse über­zeugen zu können. Wenn ich gewusst hätte, wie anstrengend allein die Finan­zierung werden würde, hätte ich das Projekt wohl nicht begonnen.

Die Finan­zierung wird sicher nicht eure letzte Her­aus­for­derung gewesen sein.

Patrick Petzold: Das ist richtig, aber der Spaß hat im wei­teren Verlauf klar über­wogen. Die Planung begann zum Bei­spiel nicht am Rechner: Ich bas­telte ein Modell, Hans kam zum Essen und dann puz­zelten wir mit den ein­zelnen Modulen, bis wir die ideale Raum­auf­teilung gefunden hatten. An dem Abend ent­stand ziemlich exakt der Grundriss, den man heute betreten kann.

So einfach war das?

Patrick Petzold: Gut, wir hatten auch immer wieder Glück. Bei der Statik zum Bei­spiel half uns ein alter Kollege von Hans, der noch in der DDR diese spe­zielle Kon­struk­ti­ons­weise stu­diert hatte und noch zahl­reiche Unter­lagen zu diesem Plat­ten­bau­typen hatte. Der wies uns darauf hin, dass wir im Wohn­zimmer mit den hohen Decken zusätz­liche Stahl­träger benö­tigen. Ohne diese Infor­mation hätten wir das Raum­pro­gramm in dieser Form nicht umsetzen können. Hätten wir auf den Decken­durch­bruch ver­zichtet, wäre alles viel ein­facher gewesen. Die Zwi­schen­wände kann man nämlich recht beliebig ent­fernen, ohne die Statik zu gefährden. Ich bin dennoch froh, dass wir uns dazu ent­schieden haben. Dieses besondere Raum­gefühl war alle Mühen wert.

War von Anfang an geplant, aus dem Gebäude zwei Feri­en­woh­nungen zu machen?

Hans Sasse: Nein, es ging zunächst darum, die Qua­li­täten der Platte und der Lage optimal zur Geltung zu bringen. Es war ursprünglich gar nicht klar, wie das Gebäude ver­mietet werden sollte. Der Tipp mit der Auf­teilung in eine kleine Wohnung und eine Wohnung für eine Familie oder eine kleine Gruppe, kam von Jan Hamer, dem Gründer von Urlaubs­ar­chi­tektur. Wir haben schon früh den Kontakt gesucht. Jan war von Beginn an sehr offen und hilfs­bereit.

Wie seid ihr von der Planung dann in die Umsetzung gekommen?

Patrick Petzold: Hans hat eine Kal­ku­lation erstellt, die im Wesent­lichen auch ein­ge­halten wurde. Auf dieser Grundlage erstellten wir die Aus­schrei­bungen. Lediglich der Beton­schnitt drohte die Kosten zu sprengen. Wir fanden dann glück­li­cher­weise in Breslau eine Firma, die die Arbeiten zu ver­tret­baren Kosten aus­ge­führt hat. Durch den zusätz­lichen Stahl, den wir für die Statik ver­bauen mussten, ist es dennoch teurer geworden als geplant.

Wie fühlt es sich an, einer Firma den Auftrag zu erteilen, das ganze Gebäude zu ent­kernen?

Patrick Petzold: Ich hatte schon ein mul­miges Gefühl. Im Kopfkino fiel das Gebäude mehrmals in sich zusammen. Dennoch haben wir der Firma ver­traut. Die wirkten kom­petent und erfahren und hatten wirklich Lust auf das Projekt. Und mit Hans hatte ich in den letzten zehn Jahren schon häu­figer zusam­men­ge­ar­beitet, sodass ein gegen­sei­tiges Ver­trauen und Ver­ständnis gegeben war: Neben meiner Tätigkeit als Audio­pro­ducer habe ich auch immer wieder als Tischler gear­beitet und in diesem Zusam­menhang auch mit Hans.

Habt ihr während des Pro­zesses besondere Qua­li­täten erkannt? Gab es positive Über­ra­schungen?

Patrick Petzold: Die Aus­blicke begeistern mich bis heute. Wenn man in der großen Wohnung oben auf der Empore steht und aus dem neuen Fenster schräg gegenüber schaut, hat man einen herr­lichen Blick über die Felder. Das hatten wir uns nicht so schön vor­ge­stellt. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal im Rohbau mit dieser neuen Öffnung stand: Die Sonne ging unter und erfüllte den ganzen Raum mit gol­denem Licht.

Könnt ihr uns etwas zur Geschichte eurer Platte erzählen?

Patrick: Als die Mauer fiel, war die Platte laut Anwohnern noch gar nicht fer­tig­ge­stellt. Sie ist ein Zeugnis der Wende und stand als fens­ter­loser Rohling ver­loren in der Land­schaft. Geplant war sie als Behausung für Arbeiter der benach­barten LPG. Über die Treuhand gingen die Häuser zunächst an einen Düs­sel­dorfer Investor. Dieser ver­kaufte sie an zwei Männer aus der Gegend. Die haben die eine Haus­hälfte ver­mietet. Im Keller war ein Well­nessbad. In den Zimmern oben gab es auch jeweils ein Bad. Die Platte war als „Salon Cherie“ bekannt und, nun ja, sah schon sehr nach Puff aus.  Die andere Hälfte wurde nur als Lager genutzt. Dort ging gar nichts mehr. Keine Heizung, kein Wasser. Im Keller haben Jugend­liche früher wohl viel gefeiert. Ich habe noch unzählige Fotos von den Graf­fitis auf den Wänden. Auf einem war die Platte ange­deutet. Darüber stand: „Meine Heimat“. Das hat mich bewegt.

Hans, wie erklärst du dir, dass es ver­gleichs­weise wenig Umnut­zungen von Plat­ten­bauten gibt? Ihr habt schließlich bewiesen, dass in der Platte mit ver­tret­baren Kosten eine hohe Wohn­qua­lität zu schaffen ist.

Hans Sasse: Das Image ist einfach schlecht und viele Plat­ten­bauten stehen recht ver­loren in der Land­schaft. Das schreckt ab. Es fehlen zudem gute Bei­spiele. Und dann fühlen sich viele auch von den Dimen­sionen einer Platte über­fordert. Wer ein Haus für seine Familie plant, wird nicht auf die Idee kommen, dafür einen Plat­tenbau zu nutzen. Für insti­tu­tio­nelle Inves­toren wie­derum sind die schlechten Kon­di­tionen der Banken für diesen Gebäu­detyp ein Dorn im Auge.

Patrick Petzold: Es ist auch ein Ost-West-Thema. Die DDR-Archi­tektur wird immer wieder aggressiv ver­leumdet. Der Palast der Republik ist hierfür nur eines von vielen Bei­spielen. Ehr­li­cher­weise muss man aber auch sagen, dass die Gebäude auch ganz objektiv Nach­teile hatten. Die Akustik ist einer, aber auch die Zimmer sind über­wiegend zu klein für heutige Wohn­an­sprüche. Mit dem Palais Brut können wir aber hof­fentlich zeigen, dass die Räume auch eine enorme Groß­zü­gigkeit haben können. Die Akustik ist uns bislang auch nicht als pro­ble­ma­tisch auf­ge­fallen.

Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Patrick Petzold: Wir wollten einfach einen Namen, der gut klingt. Nicht so tech­nisch, nicht nach stumpfen Mar­keting. Einige Häuser haben so alt­mo­dische Namen wie „Elfriede“. In die Richtung zog es uns zu Beginn. Plat­ten­bauten haben in der Regel nur unro­man­tische Typen­be­zeich­nungen wie WBS70. Das wäre ein schöner Kon­trast gewesen.
Palais Brut fühlte sich dagegen sofort und bis heute richtig an. Ich bin selber Franzose, in Frank­reich geboren und auf­ge­wachsen, und daher hatte das Fran­zö­sische für mich nichts Affek­tiertes. Zudem ist das Augen­zwinkern nicht zu über­sehen. Eine Platte ist das Gegenteil eines Palais. Und Brut kommt natürlich von „Bru­ta­lismus“.

Wie ist die Resonanz bislang?

Patrick Petzold: Die Ver­mietung ist sehr gut ange­laufen. Die begeis­terten Kom­mentare auf Urlaubs­ar­chi­tektur moti­vieren zusätzlich. Einige Gäste sind schon vor ihrer Anreise ganz hin­ge­rissen, nur auf­grund der Fotos. Dank Urlaubs­ar­chi­tektur sprechen wir auch genau die Men­schen an, die wir ansprechen wollen. Die Koope­ration war ein großes Glück. Nach drei Jahren Bauzeit kamen bei mir schon auch Zweifel auf. Ich war oft allein auf der Bau­stelle und hab mich gele­gentlich gefragt, ob wir uns hier ein Luft­schloss bauen. Umso größer ist jetzt die Erleich­terung.


Interview: Fre­derik Fischer

Bild­nach­weise: © Tobias König und Michael Rom­stöck / / KKROM Ser­vices (Innen- und Außen­auf­nahmen), © Patrick Petzold (Modell, Graffiti, Vorher-Auf­nahmen)

Autoreninfo: Fre­derik Fischer ist auf einem Dorf mit­telgroß geworden, hat seine Kindheit in einer Klein­stadt ver­bracht und zog dann in die weite Welt. Er stu­dierte Medi­en­wis­sen­schaft und Volks­wirt­schaft in Han­nover, Aarhus, Ams­terdam, London und Washington, hat in Berlin mehrere Startups mit­ge­gründet. Inzwi­schen ist er aller­dings der Über­zeugung: Die wirklich auf­re­genden Zukunfts­ent­würfe ent­stehen in der Provinz. Diese treibt er u.a. als Geschäfts­führer von Neu­landia seit Jahren kon­se­quent voran.

0 Kommentare

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
Bei Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Vermieter. Wie funktioniert URLAUBSARCHITEKTUR? Lesen Sie unsere FAQ.