Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

Shop

URLAUBSARCHITEKTUR ist das füh­rende Web­portal für archi­tek­to­nisch bei­spiel­ge­bende Feri­en­häuser. Wir geben auch preis­ge­krönten Cof­fee­table-Bücher heraus – diese sind im Buch­handel erhältlich und in unserem Shop.

Über uns

Was wir machen: ein beson­deres Netzwerk für besondere Häuser.

Wie funk­tio­niert Urlaubs­ar­chi­tektur?

Wie Sie mit Urlaubs­ar­chi­tektur Ihr Feri­en­do­mizil finden und wo Sie es buchen können.

Partner werden

Ihr Haus passt zu Urlaubs­ar­chi­tektur? Zeit, dass wir uns ken­nen­lernen!

Real Estate

For sale! Hier finden Sie unsere aktu­ellen Ver­kaufs­an­gebote. Angebote und Gesuche von span­nenden Immo­bilien.

Posi­tionen Ohne Titel
urlaubsarchitektur.de
Zu Ver­kaufen Real Estate: Casa Balat
Leer­stand ist ein Wort, das relevant gefüllt werden will. Mit den „Hap­pening Places“ rea­li­sierte der Münchner Ideen-Architekt Gregor Wöltje nicht nur auf­re­gende Pro­jekte in der baye­ri­schen Metropole, er setzte damit auch nach­haltige State­ments.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.


Häuser

Unter­künfte von Architekt:innen für Rei­sefans ent­worfen: Unsere Sammlung hoch­wer­tiger Feri­en­do­mizile — auch via Karte. Kennen Sie schon unseren Neu­zugang?

Spaces

Außer­ge­wöhn­liche Orte und Loca­tions finden — für Work­shops, Team­e­vents, Mee­tings, Yoga-Retreats oder private Feiern.

Magazin

In Rubriken wie Homes­tories und Insights hinter die Häuser blicken, Gastgeber:innen besuchen oder Posi­tionen zu aktu­ellen Themen lesen.

News­letter

Jetzt für unseren News­letter anmelden.

Wöltjes Welt

Leerstand ist ein Wort, das relevant gefüllt werden will. Mit den „Happening Places“ realisierte der Münchner Ideen-Architekt Gregor Wöltje nicht nur aufregende Projekte in der bayerischen Metropole, er setzte damit auch nachhaltige Statements.

von Julia Hauch im Januar 2025

 Wöltjes Welt in  /

„This is really hap­pening“ ver­si­cherte das Schild im Aufgang des impo­santen Mar­mor­trep­pen­hauses der Baye­ri­schen Staatsbank allen Ungläu­bigen, die für einen Moment zwei­felten, ob sie hier wirklich richtig waren. Ein hippes, tem­po­räres Hotel mit vibrie­rendem Kul­tur­pro­gramm, ver­steckt hinter einer der denk­mal­ge­schützten Fas­saden in Mün­chens Luxuslage? Damit hätte selbst die alte Staatsbank nicht gerechnet.

In der Lobby ange­kommen, eröffnete sich den Gästen auf 4800 Qua­drat­meter ein sub­kul­tu­relles Paradies – ein licht­durch­flu­teter, kunstvoll tape­zierter, pul­sie­render Raum mit offenen Galerien und ver­ti­kalem Garten. Voller lachender, dis­ku­tie­render und tan­zender Men­schen, Glä­ser­ge­klimper an der Bar und veganem Streetfood, kleinen bis großen Kon­zerten und Aus­stel­lungen, Pop-up-Stores und Work­shops. Wer Geist und Glieder strecken wollte, ging zum Yoga, für kon­tem­plative Moves in den Boxclub und wem der Kopf nach Neuem stand, zum Barber. Nicht zu ver­gessen die außer­ge­wöhnlich gestal­teten Hotel­zimmer.

Kurz gesagt: Ein Ort, den es so in München zuvor noch nie gegeben hatte. Welcome to „The Lovelace – A Hotel Hap­pening“. Fri­scher Wind für die Stadt, dessen Inten­sität atemlos staunen ließ. Alles umge­setzt innerhalb kür­zester Zeit und hoch­wertig aus­ge­stattet dank renom­mierten Design- und Kunst-Koope­ra­tionen, wie etwa das über­le­bens­große Victory-Symbol gleich neben der Rezeption. Zwei lässig in die Höhe gestreckte Finger, zwei Jahre mul­ti­kul­tu­relles Hap­pening im ersten Pop-up-Hotel der Welt. Eine revo­lu­tionäre Idee und ein Erfolg, der nicht nur Geschichte, sondern seitdem jede Menge Fort­set­zungen schreibt.

All places are tem­porary places.

Einer der drei feder­füh­renden Erzähler:innen ist Gregor Wöltje, dem man immer noch die Lei­den­schaft anmerkt, wenn er von der rasanten Rea­li­sierung des „Lovelace“ berichtet. Was für den Archi­tekten, Nach­hal­tig­keits­experten und Ideen-Kreateur ein gutes Projekt aus­macht, ist dessen Unmög­lich­keits­faktor. „Eigentlich bekommen wir inzwi­schen nur noch Pro­jekte auf den Tisch, die sonst keiner anfassen will“, lacht der gebürtige Han­no­ve­raner, der in München auf­ge­wachsen und dann geblieben ist, abge­sehen von Abste­chern rund um die Welt. Aber oft beginnt die weite Welt ja direkt vor der eigenen Tür.

Denn gemeinsam mit den Kul­tur­ver­an­staltern Michi Kern und Lissie Kieser initiiert, ent­wi­ckelt und gestaltet Gregor seit 2015 viel­fältige Hap­pening Places, die im ersten Moment ver­rückt klingen und im zweiten nicht mehr weg­zu­denken sind. Immer mit dem Ziel, einen dritten Ort im kul­tu­rellen oder sozialen Kontext zu schaffen, an dem sich jede:r will­kommen und wohl­fühlen soll, erklärt der Macher das Konzept: „Die Pro­jekte von ‚‘This is really hap­pening‘ haben nie einen rein finan­zi­ellen Aspekt, sondern sollen zeigen, wie gesell­schaft­liches Enga­gement, Kultur und Place Making funk­tio­niert.“ Nichts sei trau­riger als Orte, die gut gemeint waren und dann ver­waisen, weil sie niemand bespiele, so Wöltje. „Unsere Ideen haben natürlich sehr stark mit dem zu tun, was uns poli­tisch, ästhe­tisch und kul­turell antreibt, aber letzt­endlich ent­stehen sie aus den Orten selbst heraus, die wir nicht ver­biegen wollen.“

We trust the process.

Ähnlich verhält es sich auch mit seinem eigenen Zuhause. Seit über zwölf Jahren lebt Gregor Wöltje mit seiner Frau Katrein und einer bunten Patchwork-Familie aus sieben Kindern und diversen Katzen in Pos­sen­hofen am Starn­berger See. Die his­to­rische Villa Fischer, in der einst der Leibarzt der Kai­serin wohnte, war damals tat­sächlich das einzige leer­ste­hende Haus rund um München, das aus­rei­chend Platz für die große Familie bot. Ein glück­licher Zufall mit anhal­tender Som­mer­frische, die gern mit Gästen geteilt wird. Dafür wurde die denk­mal­ge­schützte Remise – einst Pfer­de­stall und Kut­schenhaus – sorg­fältig saniert und in drei stimmige Feri­en­woh­nungen ver­wandelt, die eben­falls großen Wert auf Nach­hal­tigkeit, Design und Komfort legen.

There is no mas­terplan.

Dass Wöltje Pläne lesen kann, war nicht nur für den Umbau des eigenen Hauses, sondern auch für das Hotel-Hap­pening wesentlich. Ansonsten fällt der diplo­mierte Architekt aus dem klas­si­schen Grundriss. Schon während des Stu­diums ähnelten seine unge­wöhn­lichen Prä­sen­ta­tionen eher comic­ar­tigen Mani­festen als bier­ernsten Kon­zepten. Nach einem Jahr Archi­tek­turbüro: Tabula rasa . Er ließ die lang­wie­rigen Ent­würfe hinter sich, um mit einer eigenen Wer­be­agentur kurz­weilige Geschichten für MTV, Burger King oder Levi’s zu ent­werfen. Doch die Wer­bewelt weckte über die Jahre nicht nur jede Menge guter Plots, sondern auch viele nach­denk­liche Fragen.

Seitdem widmet sich der Ideen-Architekt aus­schließlich Geschichten im grünen Bereich: „Unsere Nach­hal­tig­keitswelt ist eine Welt, der es an Ideen, Ästhetik und Attrak­ti­vität mangelt.“ Ein Zustand, den Wöltje ändern will. Als er vor ein paar Jahren dann zufällig seinen alten Weg­ge­fährten Michi Kern wieder traf, war ein kon­ge­nialer Mit­er­zähler gefunden. Seitdem ent­wi­ckeln die beiden gemeinsam mit Partnern Geschichten für die Stadt, die ihnen am Herzen liegt. Zunächst mit dem „Lost Weekend“, einem Buch-Café mit kleinen, feinen Live-Acts, 2017 folgten mit „The Lovelace“ und der anschlie­ßenden Wie­der­be­lebung der denk­mal­ge­schützten Reit­halle span­nende Event-Loca­tions. „Wenn die Geschichte gut ist, dann ist sie für alle effektiv“ – Wöltje weiß um die Macht des Sto­rytel­lings und den Kata­ly­sator für Koope­ra­tionen. Alles andere finde sich meist von selbst.

We like to expe­riment.

Wie beim „Sugar Mountain“: Als Auftakt einer groß­flächig geplanten Quar­tiers­ent­wicklung sollte mitten in der Pan­demie ein ehe­ma­liges Betonwerk in Ober­sendling in ein rie­siges Freizeit- und Kunst­areal umfunk­tio­niert werden. Ein her­aus­for­derndes Stadt­ent­wick­lungs­projekt mit reiz­vollem Unmög­lich­keits­faktor – genau das Richtige für „This is really hap­pening“. Heute ist das „Sugar Mountain“ ein kreativ-urbanes Expe­ri­men­tierfeld, das alle Münchner:innen zur Par­ti­zi­pation und Inter­aktion einlädt. Ob zum Skaten, Bas­ket­ball­spielen, Graf­fi­ti­sprühen oder Bouldern, ob zum Konzert, Open-Air-Kino, Floh­markt oder einfach nur zum Sein. Der Berg an Mög­lich­keiten ist endlos und das Zwi­schen­nut­zungs­konzept inzwi­schen eine dau­er­hafte Insti­tution. Ein großer Gewinn für das Quartier und die ganze Stadt.

„Schon seit meiner Schulzeit habe ich den Drang, mit guten Ideen für ein gutes Leben bei­zu­tragen“, erinnert sich Wöltje, der mit seinen Pro­jekten ein „Neues Normal“ eta­blieren will. „Das Neue Normal ist ein tier­freund­liches, nach­hal­tiges und gleich­be­rech­tigtes. Alles, was man so schön unter „wokeness“ zusam­men­fassen kann. In der Mehrheit müssen wir die rich­tigen Ent­schei­dungen treffen. Dann dreht sich eh das Ganze. Wir glauben fest daran.“ Aus seinem Mund klingt dieser Zeit­geist alles andere als bemüht, vielmehr über­spru­delnd natürlich, gleich einer unbe­irr­baren und unab­läs­sigen Ener­gie­quelle, die unsere zwi­schen­mensch­liche Welt wärmer und leben­diger gestalten will.

We cherish the sur­prise.

Kein Wunder also, dass es auch noch einen gemein­nüt­zigen Verein gibt, mit dem ein ganz beson­derer „Hap­pening Place“ für sozial benach­tei­ligte Kinder und Jugend­liche rea­li­siert wurde. Direkt an der baye­ri­schen Gold­küste, auf einem der schönsten Grund­stücke am Starn­berger See, liegt die denk­mal­ge­schützte Villa Zitzmann, die heute als „Villa K.“ ein liebe- wie kunstvoll gestal­teter Rück­zugsort und kun­ter­bunter Aben­teu­er­spiel­platz mit zukunfts­re­le­vanten Inhalten ist. Nach acht Jahren Leer­stand sollte die alte Villa eigentlich in ein Luxus­hotel mit großem Spa- und Well­ness­be­reich ver­wandelt werden.

Statt­dessen genießen seit 2022 ukrai­nische und deutsche Kinder den unbe­zahl­baren Luxus eines fried­lichen Ortes. Auch hier steckt von oben bis unten, kreuz und quer die Liebe im Detail – von den knall­bunten Möbeln eines eins­tigen 5‑S­terne-Hotels bis zum künst­le­risch durch­dachten Farb­konzept der ein­zelnen Räume. Inzwi­schen hat das Vor­zei­ge­projekt einen 20-Jahre-Vertrag erhalten. Genügend Zeit und Raum, um sich fun­diert wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Diese Momente sind für Wöltje ein Geschenk, denn natürlich läuft nicht immer alles so leicht­füßig und rei­bungslos, wie es klingt. Jedes Projekt ist ein Balan­ceakt zwi­schen Rea­lität, einem hohen künst­le­ri­schen wie archi­tek­to­ni­schen Anspruch und dem Budget.

This is just the beginning.

Um zwi­schendrin Luft zu holen, geht es zum Run­ter­kommen und Leer­werden ins Agger Farm­house. Mit dem Um- und Ausbau eines alten Bau­ern­hauses samt Scheune am Rande des Natio­nal­parks Thy, haben die Wöltjes einen wei­teren Lieb­lingsort geschaffen, den sie nicht nur mit Freunden, sondern mit allen teilen, die die Ver­bun­denheit mit der Natur schätzen. Auch hier wird das „Neue Normal“ in jedem Winkel spürbar; es fusio­nieren über­ra­schende Archi­tektur, skan­di­na­vische Stil­si­cherheit und hand­ver­lesene Kunst mit maxi­maler Nach­hal­tigkeit. Inklusive neuer Sicht- und Wohn­weisen – wie in der „Magic Box“ im aus­ge­bauten Hayloft, einer viel­sei­tigen Raum-in-Raum-Lösung. So oft wie möglich reist Wöltje mit seiner Familie an die wilde Küste Däne­marks, um sich an deren end­losen Stränden den sal­zigen Wind um den quir­ligen Kopf wehen zu lassen.

Was sich der kreative Ideen-Aktivist für die Zukunft seiner Hei­mat­stadt wünscht, ist mehr Mut und einen neuen Stadt­ent­wick­lungsplan wie am Bei­spiel Kopen­hagens: „Wo wollen wir in 20 Jahren stehen und wie benehmen wir uns, damit es auch funk­tio­niert?“ In der Zwi­schenzeit wecken Wöltje, Kern und Co. erst mal schla­fende Katzen. Denn mit dem „Fat Cat“, wie der volu­minöse Gasteig-Bau seit 2023 genannt wird, eröffnet das größte Sub­kul­tur­zentrum Europas, das allen Dis­zi­plinen und Kunst­formen Raum und Mög­lich­keiten bieten soll. Dass bereits ein wei­terer weg­wei­sender „Hap­pening Place“ in Planung ist, steht außer Frage. Wo, wird aller­dings noch nicht ver­raten. Fort­setzung folgt.


Text: Julia Hauch

Fotos: Design Tower Sugar Mountain Munich © pulse adver­tising (Titelfoto), The Lovelace © Thomas Mandl (1) © Thomas Kiewning (2) © Steve Herud (3), Gregor Wöltje © Thomas Dashuber (4), Sugar Mountain Munich © Gregor Wöltje (5), © Thomas Mandl (6) © kicks (7), Villa K © Sebastian Dörken (8), © Thomas Dashuber (9), Agger Farm­house © Tina Ste­phansen (10 — 12)

Der Beitrag erschien erstmals in unserer Buch­ver­öf­fent­li­chung Orte & Visionen.

0 Kommentare

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
Bei Buchungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Vermieter. Wie funktioniert URLAUBSARCHITEKTUR? Lesen Sie unsere FAQ.