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Allein unterwegs

Allein reisen und unbeschwert den eigenen Impulsen folgen: Diese acht Unterkünfte bieten den idealen Raum für eine Auszeit ohne Begleitung. Für alle, die neue Orte auf eigene Faust erkunden oder einfach nur ihrer eigenen Regie folgen wollen.

im Oktober 2026

 Allein unterwegs in  /

Bahnhof zum Stranden

Es ist eine wahre Freude, aus diesem Ort nicht gleich wieder weg zu müssen: Der ehe­malige Bahnhof nahe der Tiroler Zug­spitz­arena ist zu einem Ort zum Ankommen geworden – auch und ganz besonders für Men­schen, die allein unterwegs sind.

Das Herz des Gäs­te­hauses Ler­mooser ist die große Gemein­schafts­küche, in der man sich aus­tau­schen oder Gesell­schafts­spiele spielen kann – oder einfach still neben­ein­ander in einem Buch liest. Oder tat­sächlich gemeinsam schnippeln und kochen – was ja noch immer ein Tür­öffner für gute Gespräche ist. Aber auch zum „Für-sich-Sein“ bietet das Ler­mooser genug Mög­lich­keiten – und zwar auch außerhalb des eigenen Zimmers: Idyl­lische Wan­de­rungen sind hier das Grund­pro­gramm, dazu kann man sich auch für Rad­touren in ver­schie­denen Aus­prägungen ent­scheiden. Im Winter locken nicht nur diverse Abfahrts­pisten, sondern schier endlose Lang­lauf­strecken. Und wenn man dann im Wald kurz mit sich selbst eine Pause macht, dann hört man nur noch Stille.

Zum Haus Ler­mooser

Gestaltung schafft Gemein­schaft

Wer hier­her­kommt, hat ziemlich sicher ein Faible für die Archi­tektur der 1970er. Und genau das Design baut hier häufig eine erste Brücke zwi­schen den Gästen, egal, ob sie nun allein oder zu meh­reren unterwegs sind.

Der Architekt Othmar Barth schuf am Nordufer des Kal­terer Sees Anfang der 1970er-Jahre ein archi­tek­to­ni­sches Gesamt­kunstwerk. Sein See­hotel wirkt, in bestem Mid­century-Geist, wie ein Schiff, das am Ufer gestrandet ist. Die Innen­ein­richtung stammt in ihren Grund­zügen eben­falls vom Archi­tekten, Teile davon entwarf er exklusiv für das Hotel. Dazu kom­bi­nierte Barth Lampen und Sitz­möbel der ita­lie­ni­schen Moderne, in den ver­gan­genen Jahren kamen weitere sorg­fältig aus­ge­wählte Stücke dazu. Wer am Kal­terer See Ferien macht, kann also auf alle Fälle trefflich mit anderen Gästen spe­ku­lieren, was genau bau­zeitlich ist und was später dazukam. Denn das ist hier manchmal gar nicht so leicht zu erkennen.

Zum See­hotel Ambach

Feri­en­ge­mein­schaft de Luxe

Wer in der Maison Jalon zu Gast ist, der fühlt sich leicht wie in einer Ferien-Wohn­ge­mein­schaft – aller­dings ohne Putzplan, ver­steht sich: Die Balkone der vier kleinen Zimmer gehen zum Pool raus, man trifft sich zum Ent­spannen im gemein­samen Wohn­zimmer und Früh­stück gibt es für alle an einem großen Tisch.

Unweit von Aix-en-Pro­vence gelegen, hat die Maison Jalon alles, um ihre Gäste vom Besuch der Umgebung abzu­halten: einen pri­vaten Balkon für jedes Zimmer, Hän­ge­matten und Liegen am Pool, eine üppige Bibliothek, die Mög­lichkeit für eine Thai-Massage, eine Boule-Bahn. Und: Das In-Kontakt-Kommen der Rei­senden unter­ein­ander gehört an diesem Ort zum Pro­gramm. Die Gast­geber dieses welt­of­fenen Ortes, Lae­titia und Dimitri, sind vor Ort und Welt­meister darin, das Eis zu brechen – sollte es mal welches geben.

Zum Haus Maison Jalon

Immer noch ein Gespräch

Wenn man allein reist, macht es Sinn, sich eine Unter­kunft zu suchen, in der man auf andere Solo-Tra­veller trifft. In der Casa Modesta, an der Algarve, stehen die Chancen darauf gut. Denn die Zimmer sind auch für Ein­zel­rei­sende gedacht und beim gemein­samen Früh­stück am großen Holz­tisch findet man schnell Kontakt.

Wer in der Casa Modesta über­nachtet, ist nur dann allein, wenn er oder sie das möchte – zum Bei­spiel in einem der pri­vaten Patios mit Hän­ge­matte. Aber sobald man Kontakt sucht, findet man den auch. Schließlich ist da die große Familie, die das Anwesen betreibt und von der immer jemand in Sicht­weite ist. Für Aus­tausch ist also gesorgt. Und dann gibt es ja noch die drei Gemein­schafts­räume für die Gäste, den Garten und den Pool. Wer sich echte gemeinsame Aktion wünscht, bucht einen der Work­shops, die die Betrei­ber­fa­milie anbietet – zum Bei­spiel geführte Vogel­be­ob­ach­tungen. Am Abend, werden – dank der dunklen Umgebung – schließlich Pla­neten, Kometen und die Milch­straße zum Thema, denn Sterne-beob­achtung ist hier quasi ein Muss.

Zum Haus Casa Modesta

Daheim inmitten der Stadt

Fast fühlt man sich hier, als sei man bei Freunden zu Gast: Inmitten von Meran gelegen, sorgen die Gast­geber dafür, dass sich niemand einsam fühlen muss. Denn The­men­abende, Ver­kos­tungen und Garten-Dinner unter Zitronen- und Oran­gen­bäumen bringen Gäste und Gast­geber an eine gemeinsame Tafel.

Themen für ein Tisch­ge­spräch gibt es im Ott­manngut immer genug – wenn die Gäste nichts wissen, dann bietet der Hof selbst genug Stoff. Schließlich wurde das Anwesen bereits 1290 erstmals urkundlich erwähnt, seit 1850 ist es in den Händen der Familie Kirch­lechner. Jedes Stück in diesem Haus bringt eine eigene Geschichte mit, nicht zuletzt der ver­kürzte Wiener Flügel im Wohnraum: Seit 125 Jahren gehört er zum Ott­manngut, hat mit so mancher Lie­bes­ge­schichte zu tun, hat traurige und fröh­liche Momente begleitet. Egal, ob man allein oder in Begleitung unterwegs ist: Den Flügel zum Klingen zu bringen, ist hier aus­drücklich erwünscht.

Zum Haus Ott­manngut

Schiffchen zählen

Die Maas ist eine Art Schiffs­au­tobahn – nur hat es etwas Beru­hi­gendes, all die kleinen Scha­luppen und großen Kreuz­fahrt­schiffe zu beob­achten, die man vom Bed and Breakfast Het Raadhuys sehen kann. Was sie mit­bringen? Vie­lerlei Anlässe, ein Gespräch zwi­schen den Gästen zu beginnen.

Im nie­der­län­di­schen Örtchen Kessel haben die Betreiber das ehe­malige Rathaus in ein Bed-and-Breakfast umge­wandelt und dabei darauf geachtet, dass es genügend Orte für Begegnung gibt, die von allen Gästen genutzt werden können, sei es das Wohn­zimmer mit dem großen Ess­tisch, das Loun­ge­zimmer oder der Ter­ras­sen­garten. In letz­terem findet sich unter Bäumen eine Sitzecke, von der aus man zu jeder Tages- (und Nacht-)zeit das geschäftige Treiben auf dem Fluss im Blick hat. Wer daheim häu­figer nicht ein­schlafen kann ist und hofft, nächtens auf schlaflose Mit­rei­sende zu treffen, um gemeinsam Schiffchen zu zählen, wird ziemlich sicher ent­täuscht: Die Betten sind viel zu bequem, als dass man dazu wirklich Gele­genheit hätte.

Zum Haus Het Raadhuys

Kleine Welt in der Groß­stadt

Berlin kann einen über­wäl­tigen – vor allem, wenn man ohne jemanden unterwegs ist, mit dem man sich über diese wilde Stadt aus­tau­schen kann. Im Hotel Wilmina findet man ziemlich sicher Ein­hei­mische oder Zuge­reiste, die dazu auch etwas zu sagen hätten.

Hinter der klas­si­zis­ti­schen Alt­bau­fassade mit großer Holz­flü­geltür an der Ber­liner Kant­straße ver­steckt sich eine Welt, in der die Uhren anders ticken als drum­herum in Char­lot­tenburg. Saniert und zum Hotel umgebaut hat das ehe­malige Gefängnis das Archi­tek­tenpaar Grüntuch Ernst, sie betreiben das Ensemble auch: 44 Zimmer – davon einige in Ori­gi­nal­größe der ehe­ma­ligen Zellen –, eine Bibliothek, Kamin-Lounge, Spa und Gym werden ergänzt von einer Bäckerei, aus der sich auch der Kiez ver­sorgt, und einer Tagesbar. Dazu gibt es im Amtsalon Aus­stel­lungen und Pro­jekte rund um Kunst, Archi­tektur und Design. Irgendwo in diesem Uni­versum ist immer jemand zu finden, der oder die Lust auf Aus­tausch hat – schließlich ist genau das der Spirit dieser irgendwie ent­rückten Welt im tru­beligen Berlin.

Zum Hotel Wilmina

Sounds good

Allein reisen kann dann eine gute Wahl sein, wenn man in ange­nehmer Umgebung und ohne die Ablen­kungen des Alltags an einem Projekt arbeiten möchte. Und dabei trotzdem in guter Gesell­schaft sein. Als Ziel dafür bietet sich das El Paso auf La Palma an.

Natürlich kann man hier Ferien machen. Aber man kann die ehe­malige Musik­schule auch als Arbeitsort sehen, der deutsche Musik­pro­duzent, Jour­nalist und Autor Tim Renner ließ sie 2023 zum Gäs­tehaus umbauen. Dass das WLAN auch am Pool super ist, hat sich her­um­ge­sprochen und so kommen immer wieder Men­schen hierher, nicht nur zum Über­nachten in den Suiten oder im Apartment, sondern auch zum Arbeiten. Bei gutem Wetter draußen, sollte es doch einmal unge­mütlich werden, bietet sich auch der große Holz­tisch in der Gemein­schafts­küche als Arbeits­platz an. Und natürlich haben auch die Zimmer Schreib­tische. Für den rich­tigen Sound, um in pro­duktive Stimmung zu kommen, ist dank Renners großer Plat­ten­sammlung immer gesorgt.

Zum Haus The El Paso

Text: Barbara Hallmann

Fotos: Simon Lohmann via unsplash.com (Titelbild); Simon Burko (Ler­mooser); Helmuth Rier & Luca Meneghel (See­hotel Ambach); Florian Peallat (Maison Jalon); Guil­herme da Rosa (Casa Modesta); Rene Riller & Patrick Schwi­en­bacher (Ott­manngut); Nicole Joosten (Het Raadhuys); Patricia Pari­nejad (Wilmina); Fran­cisco Soares (The El Paso)

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