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Sigurd Larsen: Archi­tektur ist mehr als die Hülle

Der Architekt Sigurd Larsen versteht sich als Formgeber – seine Entwürfe gehen daher oft über die reine Gebäudehülle hinaus. Was ihn an Hospitality-Projekten reizt und welche Strategien er für diverse Standorte und Anforderungen entwickelt hat, lesen Sie hier.

von Jan Hamer & Ulrich Stefan Knoll im März 2026

 Sigurd Larsen: Archi­tektur ist mehr als die Hülle in  /

Hallo nach Berlin – schön, dass du Zeit hast! Du hast ja in ver­schie­denen Ländern eine extrem schöne Band­breite an ver­schie­denen Unter­kunfts­orten geplant – was ist die Essenz deiner bis­he­rigen Erfahrung, wenn es um Hos­pi­tality-Pro­jekte geht?

Ich glaube, wir kriegen es gut hin, unsere Bauherr:innen zu über­reden, dass wir ein Erlebnis bauen sollten und des­wegen auch Dinge tun, die Gäste zu Hause nicht unbe­dingt haben.

Bei­spiel: Beim Treetop Hotel in Dänemark hängt die Dusche in einem Käfig an der Fassade – das ist also auch im Winter bei minus 10 Grad eine Außen­dusche. Das heißt, wir zwingen die Gäste, draußen zu duschen. Das machen die Dänen sowieso gerne, und niemand hat sich bisher darüber beschwert. Unsere Her­aus­for­derung dabei war es her­aus­zu­finden, wie man Frost­schäden an der Instal­lation ver­meidet.

Oder, anderes Bei­spiel: Wir legen das Bett so in einen Erker, dass man von dort aus in alle Rich­tungen schauen kann. Das ganze Konzept ori­en­tiert sich an der Per­spektive der Besucher:innen, nicht am Hei­zungs­system oder der Plat­zierung der Steck­dosen. Das kommt später und ist dann meist auch schnell erledigt.

Wir ori­en­tieren uns also an Fragen wie: Was will man hier gerne sehen, was hat man nicht zu Hause? Was ist bereits ein­zig­artig, wenn man auf die Website eines Hotels oder Feri­en­hauses geht? Dort sieht man ja erst einmal Bilder und damit muss man poten­zielle Gäste dazu bringen, dass sie zu träumen beginnen. Oder, noch anders: man muss sich selbst sehen können in einer Situation, in einem Haus. Und das ist die Situation, die wir bauen. Das finde ich super­spannend.

Das heißt dann in der Kon­se­quenz aber auch, dass ihr die Objekte jedes Mal gänzlich indi­vi­duell ent­wi­ckelt, richtig?

Absolut ja. Das ergibt sich oft schon alleine aus der geo­gra­fi­schen Lage. Bauen wir in Bran­denburg, im Spreewald, in einem Wald in Dänemark, auf Felsen in Grie­chenland? Das sind ja ganz ver­schiedene Bau­kul­turen, auch Kli­ma­zonen. Auch das lokale Knowhow ist wichtig: Weil in Grie­chenland die Expertise im Umgang mit Stein­ar­beiten unglaublich groß ist, bauen wir dort eben nicht mit Holz – anders als etwa in Öster­reich.

Das einzige Objekt, das ein bisschen aus der Reihe fällt, sind die Raus Cabins, die theo­re­tisch an vielen wei­teren Orten gebaut werden könnten. Habt ihr da eine Ver­ein­barung getroffen, dass das nicht pas­siert oder wie genau läuft das?

Richtig, das ist eigentlich ein Entwurf ohne Kontext, was außer­ge­wöhnlich ist für einen Archi­tekten. Die Cabins sind tat­sächlich erst einmal für überall ent­worfen, und trotzdem muss man sich Gedanken machen, was uni­versell in einer Umgebung ist.  Bei den Raus Cabins war die Begrenzung ihre Trans­port­mög­lichkeit. Das heißt, die Rege­lungen für die Autobahn haben ent­schieden, wie hoch und wie breit sie sein konnten.

Für den Fall, dass mehrere Cabins auf das­selbe Grund­stück kommen, haben wir sie so kon­zi­piert, dass es eine Front­seite mit Fenstern und ein Rück­seite ohne gibt. So kann man sie besser posi­tio­nieren und allen Gästen das Gefühl geben, alleine im Wald zu sein.

Sind denn die Hos­pi­tality-Pro­jekte, die Du rea­li­siert hast, auch für die Akquise neuer Kunden relevant, bekommst Du darüber weitere Anfragen?

Schon. Das ist ja der Vorteil an einem öffent­lichen Gebäude, man erreicht viele Men­schen. Daher gibt es auch viel Aus­tausch. Aber auch für mich selbst ist das eine andere Situation als bei einem Ein­fa­mi­li­en­haus­projekt. Auch da bin ich oft hin­terher noch in Kontakt, sehe aber das Haus und die Ent­wicklung nicht mehr. Und wenn wir von Hotels reden, ist es ohnehin so, dass man da oft lang­fristig invol­viert ist.

Ich halte alleine dieses Jahr sieben Vor­le­sungen zum Thema Hos­pi­tality Archi­tektur. Das ist eine Welt, in der es für einen Archi­tekten sehr dankbar ist, zu arbeiten. Das Interesse ist groß und das Thema ist positiv besetzt. Die Zuhörer:innen sind hin­terher gut gelaunt und ich selbst habe auch nur über schöne Dinge geredet.

Ja, das kennen wir sehr gut! Kannst du uns erklären, wie dieses sehr spe­zielle Konzept mit den beiden über­di­men­sio­nalen Raum­möbeln im Dort­mannhof zustande kam?

Ich sehe es noch genau vor mir, als ich das erste Mal in der Scheune stand. 200 Jahre alt, denk­mal­ge­schützt, 12 Meter hoch, mit einem Gang in der Mitte und links und rechts den ehe­ma­ligen Bereichen für die Tiere. Das musste natürlich alles genau so bleiben. Da es sehr dunkel war, war die Idee, dass die künf­tigen Räume nach oben zum Licht streben müssen. Wir hatten es nämlich hin­be­kommen, zwei Fenster auf der abge­wandten Seite der Dach­fläche bauen dürfen. Und des­wegen musste alles – wie eine Son­nen­blume – da hoch wachsen.

Um an aus­rei­chend Tages­licht zu kommen, musste das eine Raum­möbel 11 Meter hoch, das andere 7 Meter hoch werden. Der Rest der For­men­sprache hat sich eigentlich von selbst ergeben: wir hatten jeweils nur eine gewisse Grund­fläche. Im Falle des Raumes mit dem Flügel war zudem wichtig, dass unser Bauherr, ein klas­si­scher Musiker, aus­rei­chend Platz findet, um die Nach­bars­kinder zu unter­richten oder mit seinem kleinen Ensemble zu proben.

Das alles war auch in Hin­blick auf den Denk­mal­schutz eine sehr gute Lösung und wurde von den Behörden sehr gut auf­ge­nommen: Die Raum­möbel können kom­plett wieder ent­fernt werden, die Hal­len­haus­ty­po­logie ist wei­terhin erlebbar und es wurden kei­nerlei his­to­rische Bestand­teile ent­nommen oder ver­deckt. Daher auch Details wie Balken, die quer durch ein Zimmer laufen.

Hat die Form der Haus-im-Haus-Lösung auch einen Ein­fluss auf die Akustik?

Das ist tat­sächlich so. Wenn man es ver­meidet, par­allele Wände zu bauen, hat das meist einen sehr posi­tiven Effekt. Die Akustik ist sehr, sehr gut. Ein ähn­liches Prinzip haben wir bei The Lake House in Berlin ange­wandt. Da ist die Akustik derart gut gelungen, dass die Ber­liner Phil­har­monie dort geprobt und Kon­zerte gegeben hat. Und das alles gänzlich ohne Sound­in­ge­nieure!

Wir sind neu­gierig, wie es mit einem deiner anderen neuen Pro­jekte läuft, dem Cliff House dass du aktuell für VIPP auf der grie­chi­schen Insel Kythnos planst. Das Feri­enhaus wird ja in Co-Ownership laufen – sind schon alle künf­tigen Eigentümer:innen gefunden?

Um die Teilhaber:innen kümmert sich VIPP selbst. Es scheint aber sehr gut zu laufen – zehn von 12 Eigentümer:innen sind schon gefunden. Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht. Meine Ein­schätzung war eher, dass wir gerade in einer Zeit sind, in der poten­zielle Käufer ten­den­ziell zurück­haltend agieren. Dem scheint aber nicht so zu sein.

Der Preis ist gut, würden wir meinen.

Da war ich mir zuerst auch nicht ganz sicher, weil ich da keine Erfah­rungen hatte. Aber ich habe es mit den Kosten ver­glichen, die wir bei unserem eigenen Feri­enhaus haben, das auf der gleichen Insel liegt. Und man darf ja nicht ver­gessen, dass im Cliff House nicht zwei Per­sonen Urlaub machen können, sondern bis zu acht.

Dann könnt ihr bald anfangen zu bauen?

VIPP hat mit dem Bau schon vor einem Jahr begonnen – das Skelett ist schon da, also die ganze Beton­struktur. Die Fer­tig­stellung ist für Mai 2027 geplant.

Soll das Modell der Co-Ownership auch andernorts wei­ter­ge­führt werden?

Ja, auf alle Fälle. So positiv, wie die Resonanz gerade ist, wird VIPP das sicherlich fort­setzen wollen. Es gibt sogar den Gedanken, mein eigenes Feri­enhaus vor Ort umzu­wandeln und in das neue Modell ein­zu­be­ziehen. Das würde auch für mich Sinn machen, weil ich ja selten länger als einen Monat im Jahr selbst vor Ort sein kann. Was hin­gegen keine Option für mich ist: gar kein Haus auf Kythnos zu haben (schmunzelt) – ich bin einfach wahn­sinnig gerne dort!

Wie bist du eigentlich auf Grie­chenland und auf genau diese Insel gekommen?

Das war eine leicht ver­rückte Idee, denn ich war nur einmal zuvor während des Stu­diums in Grie­chenland – hatte also keine spe­zielle Ver­bindung. Als wir uns vor einigen Jahren wegen eines Grund­stücks für ein eigenes Feri­enhaus umge­sehen haben, war zuerst einmal Bran­denburg inter­essant. So geht es ja vielen Ber­linern. Dort hätten wir für unser Budget aller­dings nur etwas sehr, sehr Über­schau­bares rea­li­sieren können. Irgendwann kamen dann die Themen Meer­blick und Grie­chenland auf. Beim zweiten Mal vor Ort habe ich also bereits Grund­stücke besichtigt. Um auch im Winter gut anreisen zu können, habe ich einen Radius um Athen gezogen und mich auf die Suche gemacht. Eine Insel ist zwar zwecks Anreise nicht so prak­tisch, aber die Sehn­sucht nach dem Meer und der Weite war da. Und ich bin ja selbst auf einer Insel geboren. Das spe­zielle Gefühl kenne und mag ich.

Kythnos ist es geworden, weil das Grund­stück einfach toll war. Nicht in der ersten Lage, aber auf der Mitte einer kleinen Halb­insel und mit freiem Blick in drei Him­mels­rich­tungen. Perfekt für ein Haus samt Gäs­tehaus – im Piperi House man kann sich vom Auf­wachen bis zum Sun­downer immer neu aus­richten und es wird nie lang­weilig.

Ein sehr schönes Haus, wie wir finden. Wie weit ist das vom Cliff House weg?

Nur einmal den Berg hoch und auf der anderen Seite wieder runter – man ist in zehn Minuten da.

Was macht Kythnos für dich aus?

Die Insel ist irgendwie cool, weil da so eine All­tags­stimmung herrscht. Da wohnen viele Ein­hei­mische, da ist eine gewisse Nor­ma­lität und es ist tou­ris­tisch nicht über­mäßig ent­wi­ckelt. Aber keine Sorge: gerade im Sommer gibt es aus­rei­chend Restau­rants!

Wie hat sich eigentlich die Con­nection zu Kaspar Egelund von VIPP ergeben – kanntet ihr euch vor dem Projekt schon?

Nein, wir kannten uns nicht. Aber er hat mit­be­kommen, dass ich dort bereits gebaut hatte. Und dann sind wir ja beide Dänen – da hat sich schnell ein Gespräch ergeben und wir haben uns gut ver­standen. Kasper ist ein sehr dyna­mi­scher Typ und auch ich will nicht gerne ewig über Even­tua­li­täten und Kata­stro­phen­sze­narien reden, sondern Mög­lich­keiten suchen. Auch in der Hin­sicht ver­stehen wir uns sehr, sehr gut.

War dein Feri­enhaus das erste, bei dem du auch als eigener Bauherr fun­giert hast oder hast du schon mal vorher etwas für dich gebaut?

Ich hab nur unsere Wohnung hier in Kreuzberg umgebaut, das war alles. Von Null anzu­fangen wie beim Feri­enhaus, noch dazu samt der kom­pletten Haus­halts­ein­richtung, das ist ja auch mal was anderes.

Unser Eigenheim ist ja eher so eine Evo­lution seit unserer Kindheit. Mit Sachen, die wir aus Dänemark, Öster­reich oder sonst wo mit­ge­bracht und nach und nach inte­griert haben. Zudem stehen da viele eigene Möbel­ent­würfe, auch Pro­to­typen. Kurz gesagt: Dahinter gibt es kein Konzept, das hat sich über die Jahr­zehnte so ergeben.

Insofern ist es schon spannend, ein Feri­enhaus gänzlich neu zu planen und ein­zu­richten. Das Interior folgt einem ein­heit­lichen Konzept, dadurch wird es wahr­scheinlich ästhe­ti­scher. Und man überlegt noch genauer, was wichtig ist und was man wirklich braucht. Und bringt natürlich seinen eigenen Geschmack und Stil ein, aber doch anders als zuhause.

Ja, das ist eine klas­sische Her­aus­for­derung für viele Vermieter:innen: Ein Haus ein­zu­richten, dass danach „fertig“ ist und nicht wie im Alltag wächst.

Der Trick ist meiner Meinung nach, es nicht als fertig anzu­sehen. Man hat eine Basis geschaffen, damit man schlafen, kochen, Gäste emp­fangen kann und so weiter.

Ich sehe das etwa bei der Bibliothek im Feri­enhaus, die beständig wächst und mitt­ler­weile mehr Platz benötigt als wir ursprünglich kon­zi­piert hatten. Gleiches gilt für Kunst­werke. Und im Außen­be­reich gilt das sowieso. Diesen ganzen Winter haben wir die Pergola erweitert und neue Stein­bänke gebaut, weil wir gemerkt haben, dass man an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten sitzen will. Da das Grund­stück sehr groß ist, werden wir wohl nie fertig – und das ist gut so!

Wie läuft es mit den lokalen Hand­werkern und den Bau­ab­läufen? Was sind deine Erfah­rungen zum Thema Bauen in Grie­chenland, auf einer kleinen Insel?

Das ist natürlich anders … alleine schon, weil ich ja als Fremder mit einem anderen kul­tu­rellen und sprach­lichen Hin­ter­grund da hin­ge­kommen bin. Da muss man ein bisschen „streetwise“ werden. Manchmal ver­stecke ich mich daher einfach ein bisschen hinter unserem lokalen Inge­nieur, mit dem ich seit 2018 zusam­men­ar­beite. Er hat mir bei der Bau­ge­neh­migung geholfen, leitet die Bau­stellen und weiß, wie man Hand­werker moti­viert.

Ihn zu finden war in gewisser Weise Zufall. Zu der Zeit, als ich das Grund­stück für mein Feri­enhaus gekauft habe, war ich länger in Athen. Und habe auf einer Party einer Freundin jemanden getroffen, der ihn kannte und wusste, dass er von der Insel stammt und dort ab und zu baut. Meine Erfahrung: ab und zu muss man einfach irgendwo auf­tauchen, allen Leuten erzählen, was man braucht und dann pas­siert meist recht schnell etwas.

Wir sind gespannt, wie es in Grie­chenland wei­tergeht! Wie siehst du eigentlich das Thema Büro­kratie im Bau­recht in Deutschland?

Es gab in letzter Zeit genügend Inter­views mit Archi­tekten, die sich über die deutsche Gesetz­gebung beschweren. Die ist ja dadurch ent­standen, dass man in den letzten  170 Jahren bei jedem „Unfall“ ein paar Para­grafen hin­zu­gefügt hat. Was aber niemand gemacht hat, ist auf­zu­räumen. Meine Hoffnung ist, dass KI viel­leicht irgendwann einen Über­blick schaffen kann, den kein Men­schen mehr schafft. Dann haben wir mög­li­cher­weise wieder eine Gesetz­gebung, die nicht 1600 Seiten, sondern viel­leicht nur 80 Seiten umfasst. Das wäre traumhaft.

Da sind wir eher skep­tisch, würden es aber sehr begrüßen. Anderes Thema: Du bist ja Architekt und Designer – hat das für dich den gleichen Stel­lenwert?

In der Hin­sicht bin ich ein typisch däni­scher Architekt. Wir nehmen uns ja seit Gene­ra­tionen als Form­geber für alles wahr. Dass ein Architekt alles – von der Gar­di­nen­stange und dem Tür­griff bis zum Gebäude, dem Städ­tebau und dem Gar­ten­design – macht, kommt mir ganz natürlich vor. Oder andersrum: es käme mir unna­türlich vor, damit auf­zu­hören und zu sagen, jetzt mach ich nur noch die Hülle und den Rest macht der Innen­ar­chitekt. Gebäude wie Michel­berger Farm oder The Lake House haben wir ent­spre­chend als Gesamt­kunstwerk aus­führen können.

Wirst du auch direkt als Designer ange­fragt?

Das kommt schon vor, klar. Wir haben ja bei­spiels­weise Regale für New Ten­dency hier in Berlin gemacht oder eine Küche für Reform­küche.

Das läuft grund­sätzlich par­allel zur Archi­tektur. Da ein Gebäude viel mehr Zeit in Anspruch nimmt, sitze ich in der Rea­lität zwar viel­leicht nur zu 5 % an Design­themen, aber das macht extrem Spaß. Und man sieht natürlich viel schneller Ergeb­nisse. Und es ist witzig, wie oft man Leute trifft, die das haben – wie sich ein Design­objekt tau­sendfach ver­mehrt. Ich mag es auch sehr gerne, im Ent­wurfs­ver­fahren noch viel detail­lierter zu arbeiten als es in der Archi­tektur der Fall ist. Diesen Detail-Feti­schismus finde ich spannend!

Was würdest du gern mal designen oder ent­werfen, womit noch niemand auf dich zuge­kommen ist?

Ich träume eigentlich davon, mal Mehr­fa­mi­li­en­häuser in einem grö­ßeren Maßstab zu planen. Es wäre schon spannend, zum Bei­spiel 50 Woh­nungen auf einmal zu rea­li­sieren, weil dann natürlich die ein­zelne Wohnung per se inter­essant ist, aber  auch die Beziehung zwi­schen den Ein­heiten, die Außen- und Gemein­schafts­räume sowie die Ver­kehrs­fläche. Da ich nun schon einiges im Hotel- bzw. Hos­pi­tality-Bereich geplant habe, kommen natürlich eher Anfragen aus diesem Bereich auf mich zu.

Wie bei Volker Staab … der in jedem Vortrag betont, dass man ihm offen­sichtlich nur zutraue, Museen und Labors zu bauen …

Ja, so ähnlich. Wobei ich glücklich wäre, ein Museum zu planen. Aber dafür müsste ich wohl an Archi­tek­tur­wett­be­werben teil­nehmen.

Aha, ihr arbeitet also eher per Direkt­auftrag und nehmt gar nicht an öffent­lichen Ver­gaben teil?

Während meiner frü­heren Sta­tionen bei Topotek 1, OMA, MVRDV oder auch bei COBE war ich sehr häufig in Wett­be­werbe ein­ge­bunden. Und war davon viel­leicht ein bisschen des­il­lu­sio­niert. Mit dem eigenen Büro wollte ich dann also erst mal lieber in einem klei­neren Maßstab arbeiten. Das hat den Vorteil, dass das dann auch gebaut wird und wir bis zur Schlüs­sel­übergabe dabei sind. Auch die direkte Absprache an einem Tisch mit Bauherr:innen und die gemeinsame Kon­zept­ent­wicklung emp­finde ich als moti­vierend im Hin­blick auf unsere kreative Freiheit.

Du unter­richtest seit Jahren auch als Pro­fessor an der Berlin Inter­na­tional Uni­versity – wie sieht die Ver­zahnung zwi­schen Lehre und Büro für dich aus?

Aktuell habe ich nach 12 Jahren in der Lehre ein drei­jäh­riges Sab­ba­tical von der Pro­fessur genommen. Mein Büro ist in dieser Zeit immer etwas gewachsen, gerade auch in letzter Zeit – insofern hat sich nicht nur meine Rolle im Büro ver­ändert, sondern meine Präsenz ist noch erfor­der­licher, um fokus­siert zu bleiben.

Letzte Frage: Was ist eigentlich aus dem Modell­projekt Dachkiez geworden, mit dem du die Akti­vierung von Flach­dä­chern auf Plat­ten­bauten im Ber­liner Kontext adres­siert hast – wurde das mitt­ler­weile rea­li­siert?

Die Vision haben wir vor zehn Jahren für einen Ideen­wett­bewerb ein­ge­reicht und gewonnen. Gebaut wurde es bislang nicht, aber wir haben es bei der Biennale in Venedig prä­sen­tiert, es geistert seitdem stetig durch die Presse und das Projekt wird aktuell im Stadt­museum in Dresden aus­ge­stellt. Die Idee, die immer noch Bauherr:innen sucht, lebt also! Wenn ihr jemanden kennt, dann schickt ihn vorbei. Ich rede gerne über das Projekt, immer wieder.

Machen wir. Vielen Dank für die span­nenden Ein­blicke, Sigurd!


Sigurd Larsen ist Gründer von Sigurd Larsen Design & Archi­tecture, einem preis­ge­krönten Archi­tek­turbüro mit Sitz in Berlin. Seit 2010 hat das Studio Häuser, Hotels und öffent­liche Schulen in Dänemark, Deutschland, Öster­reich, Frank­reich, Grie­chenland und New York ent­worfen und gebaut.
Seit 2016 ist Sigurd Larsen Pro­fessor an der Berlin Inter­na­tional Uni­versity of Applied Sci­ences, wo er sich in Lehre und For­schung mit Gebäu­de­design und visu­eller Kom­mu­ni­kation beschäftigt.
Zuvor war Sigurd Larsen bei OMA Rem Koolhaas in New York, MVRDV in Rot­terdam, COBE in Kopen­hagen und Berlin sowie Topotek1 in Berlin beschäftigt.
Er hat einen Master-Abschluss der König­lichen Aka­demie der Schönen Künste, Fakultät für Archi­tektur in Kopen­hagen. Außerdem ist er Mit­glied des Bun­des­ver­bandes Deut­scher Archi­tekten (BDA) und der Archi­tek­ten­kammer Berlin.

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Interview: Das Gespräch führten Jan Hamer und Ulrich Stefan Knoll.

Fotos: Sigurd Larsen © Noel Richter (Titelfoto), Løvtag Bornholm © Nina Malling (1–5), Raus Cabins © Noel Richter (6–9), Dort­mannhof © Christian Flat­scher (10–15), The Lake House © Tobias König, Julian Kuhnke & Michael Rom­stöck / KKROM Ser­vices (16–19), Visua­li­sie­rungen Cliff House © Sigurd Larsen Design & Archi­tecture (20–24), Piperi House © Tobias König, Julian Kuhnke & Michael Rom­stöck / KKROM Ser­vices (25–32), Michel­berger Farm © Tobias König / KKROM Ser­vices (33–36), Click Shelves © New Ten­dency (37/38), Kitchen for Reform © Reform Fur­niture UG (39/40), Dachkiez © Sigurd Larsen Design & Archi­tecture (41–43)

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