Milchhof Arnstadt – Architektur wachgeküsst

Inspirierende Veranstaltungsräume bieten mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Auf URLAUBSARCHITEKTUR SPACE stellen wir Ihnen Orte vor, bei denen Sie in die Geschichte eintreten können.

Heute begeben wir uns auf die Spuren deutscher Industriekultur und erfahren, wie schlafende Gebäude wachgeküsst werden ….

Arnstadt, ältester Ort Thüringens und Musikliebhaber:innen bekannt durch die jährlich stattfindenden Bach-Festspiele zu Ehren des berühmtesten Sohns der Stadt, Johann Sebastian. Auch naturbegeisterte Menschen kommen hier auf ihre Kosten, gilt Arnstadt doch als das Tor zum Thüringer Wald. Für Architekturfans gibt es neuerdings auch einen Grund, in die Bachstadt zu reisen: der Milchhof Arnstadt, ein Industriedenkmal, das 2018 in die „Grand Tour der Moderne“ aufgenommen wurde, einer Auswahl von herausragenden Gebäuden des Bauhauses und der Moderne. Die Geschichte der Wiederentdeckung des Milchhofs gleicht einem Märchen, auch wenn es kein Prinz war, der geritten kam, um das Gebäude zu retten. Aber wachgeküsst hat er den Milchhof irgendwie schon. Und damit ist unsere Neugierde geweckt.

Wir treffen den Fotografen Jan Kobel auf der Rampe des Milchhofs. Dort wo früher die Bauern ihre frische Milch abgaben, um dann auf der anderen Seite die verarbeiteten Produkte in Empfang zu nehmen, ist jetzt der Eingang eines Veranstaltungsortes mit Industriecharme. Noch gibt es viel zu tun, sagt Jan Kobel, und von fertig kann keine Rede sein. Aber dank seines Engagements und Fördergeldern wurde das Gebäude vor dem Verfall gerettet.

Wie küsst man ein Gebäude aus dem Dornröschenschlaf?

Seit ich 2005 nach Arnstadt kam, bin ich immer wieder an dem verfallenden Milchhof vorbeigekommen und habe gedacht, schade, dass sich niemand um dieses so schöne und ungewöhnliche Industriedenkmal kümmert. Der Zufall wollte es, dass schlussendlich ich es wurde, der diese Aufgabe übernahm. Ich habe für Schüler:innen ein Fotoseminar durchgeführt, bei dem es um die Gebäude des Architekten Martin Schwarz ging. Für die Ausstellung am Ende dachte ich mir, dass ja der Milchhof dafür der beste Ort sei, das architektonisch wichtigste Gebäude von Martin Schwarz. Wir haben dann tagelang Müll und Schutt in Container geschafft und das Haus begehbar gemacht. Bei der Ausstellungseröffnung waren alle begeistert und mir blieb quasi nichts anderes übrig, als weiterzumachen. Ich hätte nie gedacht, dass aus einem Schulprojekt mal eine Lebensaufgabe wird.

Was macht den Milchhof so besonders?

Der Milchhof ist für seine Zeit Hightech: Funktionalismus und sozialer Anspruch vereinen sich hinter einer horizontalen Backsteinfassade. Das Gebäude wurde 1928 als neue Produktionsstätte für eine Genossenschaft von 80 Milchbauern gebaut. Ein modernes Gebäude für ein gänzlich neues Produkt: die pasteurisierte Milch. Der Funktionsablauf von der Anlieferung der Milch bis zur industriellen Verarbeitung lässt sich baulich nachvollziehen.

Wie wird der Milchhof heute genutzt?

Der Milchhof und das dazugehörige Gelände sollen ein kulturelles Zentrum für Arnstadt werden. Bislang gibt es einen Raum mit 250 qm, der für Veranstaltungen aller Art genutzt werden kann. Dazu kommen vier Ausstellungsräume, die wir an junge Künstler:innen für jeweils ein Jahr vergeben. Gemietet werden kann der Milchhof nur als Ganzes inkl. der Ausstellungsräume, sodass Gäste auch gleichzeitig die Kunst erleben können. Derzeit bieten wir den Milchhof nur für Sommerevents an, da es noch keine Heizung gibt. In Zukunft soll es aber für das ganze Jahr funktionieren.

Der Gastgeber: Der Fotograf Jan Kobel kam Anfang der 2000er Jahre nach Arnstadt und blieb. Zusammen mit seiner Frau Judith Rüber, mit der er zahlreiche Reisebücher veröffentlichte, sanierte er ein denkmalgeschütztes Gebäudeensemble mitten in Arnstadt. In der ehemaligen Möller’schen Handschuhfabrik betreiben sie gemeinsam seit 2005 das Hotel Stadthaus Arnstadt.

Der Space: Der Milchhof Arnstadt ist ein Baudenkmal von internationalem Rang und seit 1994 als Einzeldenkmal gelistet. Anlässlich des Bauhaus100-Jubiläums wurde er von einer Fachjury 2018 als ein bedeutendes Bauwerk der Moderne in Deutschland ausgewählt und in die „Grand Tour der Moderne in Deutschland“ aufgenommen. Die 250 qm große ehemalige Produktionshalle mit ihren 32 verschiedenen weißen Fliesentypen dient heute als Veranstaltungsraum für bis zu 150 Personen. Der Milchhof wird sukzessive renoviert. Er ist geeignet für Tagungen, Ausstellungen, Produktpräsentationen oder Fotoshootings.

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