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Stille Schönheit im Blauen Land: DIRINGLO

Ein Architekt und ein Unternehmer haben ein geschichtsträchtiges Schmuckstück südbayerischer Wohnkultur erhalten, eingebettet in eine der schönsten oberbayerischen Natur- und Kulturlandschaften.

von Ulrich Knoll im Dezember 2023

Die Faszination, die einst die Expressionisten um Gabriele Münter, Franz Marc und Wassily Kandinsky ins “Blaue Land“ zog, lässt sich heute noch bestens in der Region zwischen München und Garmisch-Partenkirchen nachvollziehen. Südlich von Staffel- und Riegsee, die Zugspitze voraus, eröffnet sich eine oberbayerische Idylle wie aus dem Bilderbuch.

Auch wenn ich selbst 30 Jahre in Oberbayern gelebt habe, reibe ich mir nach wie vor immer wieder mal verwundert die Augen.

So auch beim Aufstieg auf den Ohlstädter Hausberg, den Heimgarten. Welchen ich – wenngleich einer der bekannten „Münchener Hausberge“ – zuvor nie erklommen hatte. Oben angekommen, bieten sich gleich in mehrfacher Hinsicht faszinierende Panoramen. Zur einen Seite hin auf den legendären Walchensee und bis weit in die Alpen hinein. Auf der anderen Seite verliebt sich das Auge spontan in den großformatigen Anblick des alpinen Loisachtales, in welchem die Gemeinde Ohlstadt samt meiner Unterkunft plötzlich nur noch ein entrückter Fleck ist.

Die Gegend rund um den Heimgarten und den Herzogstand zählt zu einer der beliebtesten Wanderziele in der Zugspitzregion. Nicht umsonst: Wie von einem Kunstmaler mit leichter Hand dahingetupft, liegen einem die bayerischen Voralpenseen, Dörfer und Klöster zu Füßen. Täler öffnen sich zur weiten Landschaft hin, mal sanft, mal schroff begrenzt. Der Blick in die Ebene schweift über eine von satten Wiesen, Mooren und eingesprengten Waldinseln strukturierte, bäuerliche Landschaft. Imposant und beschaulich zugleich. Und über allem thront – fast klischeehaft – der ikonische weiß-blaue Himmel der Bayern.

Unterhalb des Heimgarten ziehen sich im Tal üppig blühende Buckelwiesen dahin, auf denen gemächlich die Kühe grasen. Dahinter schimmert der von Garmisch herbeieilende, alpine Gebirgsfluss. Und im Hintergrund sticht bereits der markante Zwiebelturm der barocken Pfarrkirche St. Laurentius ins Auge und lenkt mich zielsicher zurück in meine Unterkunft auf Zeit: das denkmalgeschützte Gehöft Diringlo in Ohlstadt.

Mehrere Jahrhunderte alt, stand der ehemalige „Hauserhof“ inmitten der 3000 Einwohner zählenden Gemeinde nach der Jahrtausendwende über viele Jahre leer. Und kurz vor dem endgültigen Verfall. Dass er gerettet werden konnte und heute in alter Pracht beziehungsweise in neuem Glanz wiedererstrahlt, ist einer Fügung zu verdanken.

Denn die Verkaufsanzeige lasen der Unternehmer Tobias Huber und der Architekt Stephan Rauscher, die über lange Jahre in München eine Bürogemeinschaft bildeten, gänzlich unabhängig voneinander. Und entschieden, jeder für sich, endlich das ideale Objekt zur Verwirklichung der persönlichen Träume gefunden zu haben.

Modern Wohnen im historischen Kontext: Tenne -Stall – Wohntrakt

Gemeinsam machten sich die Beiden auf die Reise in Vergangenheit und Zukunft. Zuerst in die Vergangenheit der Historie des Gebäudes samt ihrer (Un)Tiefen der Bausubstanz, die in Teilen bis ins Barock zurückreicht.

Wo heute bis zu 17 Gäste in drei höchst individuellen Suiten unterkommen, wurde zuvor über mehrere Jahre nach einer aufwändigen Planung saniert. Nach Maßgabe des Denkmalschutzes sowie unter Mitwirkung zahlreicher Fachfirmen wurde jedes Detail erforscht und wieder in Stand gesetzt. Aus dem zwischenzeitlichen „Schandfleck“ mitten im Dorf wurde so ein Anwesen, das die Blicke der Vorbeikommenden auf sich zieht und seit 2021 Gäste aus Nah und Fern anlockt.

Die haben heute die Qual der Wahl: Besser die im Erdgeschoss gelegene Ferienwohnung Kathi im ehemaligen Stall buchen, die zwei Personen viel Raum auf 93 Quadratmeter bietet? Oder doch eher die „Seffa“ im ehemaligen Wohntrakt, die über drei Geschosse hinweg bis zu sieben Personen auf 200 Quadratmeter beherbergen kann? Oder lieber doch den „Luggi“ in der ehemaligen Tenne für zwei bis sechs Gäste wählen?
Falls Sie meinen Rat hören wollen: Im besten Fall kommen Sie in einer größeren Gruppe und mieten das ganze Haus. Denn dann ist es möglich, das Objekt in seiner ganzen Vielfalt und seinem enormen Detailreichtum zu erleben.

Denkmalschutz bis ins Detail

Der historisch bedeutsamste Abschnitt des Hauses liegt im ehemaligen Wohntrakt, der heutigen „Seffa“ – hier sind zahlreiche Relikte der Vergangenheit erlebbar.
Da der Denkmalschutz jedoch nahezu jedes Detail umfasste, wurden in der mehrjährigen Restaurierung viele große und kleine Belange im gesamten Ensemble berücksichtigt.

Etwa der Erhalt, Ausbau und die Restaurierung aller historischen Türen, Fenster, Glasscheiben, Fensterläden und Gitterstäbe durch einen Fachrestaurator. Oder die Restaurierung der zwar noch weitestgehend originalen, aber durch Wassereinbrüche stark in Mitleidenschaft gezogenen Möblierung und des Kachelofens in der Stube in der „Seffa“.

Die historischen Kasettendecken der Stuben- und Schlafstuben mussten dort gleichfalls sorgfältig ausgebaut, bis ins Detail restauriert, wo nötig ergänzt und wieder eingebaut werden.

Bei den Voruntersuchungen der Farb-, Putzschichten sowie der Holzarbeiten konnten die Vorläuferbauten des Hauses bis ins 17. Jhd nachgewiesen werden. Gästen der „Seffa“ werden die Untersuchungsflächen in Flur und Küche in’s Auge fallen – sie zeigen die einzelnen Schichten bis zum Erbauungsjahr.

Sämtliche Holzteile, Sparren, Pfetten, Stützen und die zuvor mit Kalkfarbe bestrichenen Holzblockwände wurden im gesamten Haus von einem Spezialisten mit einer langsam rotierenden Messingbürste schonend über einen Zeitraum von mehreren Monaten gereinigt und unbehandelt belassen. Morsche Holzteile wurden ausgebaut und mit sichtbar belassenen „Holzprothesen“ restauriert.

Eine Besonderheit ist der in der Küche der „Seffa“ gemauerte Schacht, dessen Zweck bis heute nicht eindeutig festgestellt werden konnte. Man vermutet ein Versteck. Der restaurierte und beleuchtete Schacht dient heute der Ausstellung der im Haus gefundenen Schleifsteine und steht als Symbol für die Wetzsteinmacherei, die früher im ganzen Dorf betrieben wurde.

Aufwändig war auch der Erhalt der historischen, steilen Stiegen in der „Seffa“, die lediglich ausgebessert und ergänzt werden durften, da eine Abflachung nicht zulässig war.

Denkmal trifft auf zeitgenössisches Design

Summa summarum kann man sagen, dass der historische Bestand lediglich dort mit modernen Einbauten ergänzt wurde, wo dies möglich bezeihungsweise nötig war. Selbstverständlich nehmen sich diese Elemente entsprechend zurück, um den historischen Gesamteindruck zur Wirkung kommen zu lassen.

Entsprechend hinterlassen die Wohnungen „Kathi“ und „Luggi“ den ewas moderneren Gesamteindruck. Wobei natürlich auch hier Belange des Denkmalschutzes umzusetzen waren, allerdings nicht in der Dichte der Objektdetails.

Was die „Seffa“ zudem ganz besonders macht: Die Suite erstreckt sich über drei Stockwerke vertikal durch das gesamte Bauvolumen. Von der Küche und Stube samt angrenzendem Schlafzimmer hinauf zu einer zweiten Stube und zwei weiteren Schlafzimmern – bis hin unters Dach, wo ein eigener Meditationsraum wartet, der auch für Yogasequenzen gut geeignet ist.
In der „Kathi“ dominiert Beton Ciré, also gewachster Beton samt Fußbodenheizung. Weitere moderne Elemente sind der Sichtbetonkamin, das ebenfalls in Beton ausgeführte Bad und die zeitgemässe Möblierung. Sie treffen auf historische Ausstattungselemente wie die gebürstete Originalholzdecke, historisches, weiß geschlämmtes Bruchsteinmauerwerk und schlanke, runde Stahlsäulen.

Durch moderne, teils großformatige Fenster- und Türöffnungen ergibt sich ein wunderbarer Lichteinfall, der den Kontrast zwischen Moderne und denkmalgeschützter Historie perfekt zur Geltung bringt.

Die Wohnung für zwei Gäste verfügt zudem über eine überdachte Terasse sowie eine Sonnenterassse.
Die Suite „Luggi“ in der ehemaligen Tenne erreicht man über eine Außentreppe samt Sonnendeck. Beim Betreten eröffnet sich ein 8 x 10 Meter großer Raum. Für viel Freiheit sorgt nicht nur der Weite Blick in die Tiefe des Raumes, sondern auch in den sechs Meter hohen, offenen Dachstuhl.

Viel Licht bringen die beidseitigen und raumlangen Fensterfronten. Diese werden durch vorgehängte, verschiebbare Holzlamellen verschattet, die auch dem Sichtschutz dienen. Eine kluge Lösung, die auch den Belangen des Denkmalschutzes gerecht wird, da sie den histiorischen Eindruck des ehemaligen Wirtschaftsteiles in moderner Form widerspiegeln.

Neben einem separaten Schlaf- und Badezimmer verfügt die Suite über eine Empore mit vier weiteren, optionalen Schlafplätzen. Diese können natürlich auch als Daybed genutzt werden.
Besonders beeindruckend ist das mit Holznägeln verbundene Tragwerk des Dachstuhls, das das technische Können und die Kunstfertigkeit früherer Handwerksgenerationen zur Schau stellt.

Zeitgemässer Komfort

Wesentliche Prämissen des architektonischen Konzeptes waren alle Aspekte rund um die Nachhaltigkeit. Eine lange Nutzungsdauer, eine einfache Instandsetzung und eine Zusammensetzung aus einfachen Materialien, die dem Materialkreislauf jederzeit wieder zugeführt werden können, standen jeweils im Mittelpunkt aller Planungen.
Getragen vom Gedanken der optimalen Ressourcennutzung haben die Bauherren das historische Bauernhaus behutsam mit historischen Materialien wie Holz, Kalkputz, Ziegel und Glas repariert, ergänzt und wiederbelebt, wo immer dies möglich war.
Für modernen Komfort sorgt heute Strom, der eine Wärmepumpe antreibt. Durch die in Deutschland noch nahezu einmaligen, terracottafarbenen Solarmodule auf dem Garagendach wird vor Ort eigener Solarstrom produziert.
Dieser wird einerseits für die drei E-Ladestationen verwendet und bei Bedarf auch in Heizenergie umgewandelt, die mit Niedrigtemperatur als Strahlungswärme über die Fußbodenheizung an die Räume abgegeben werden kann. Durch die Speicherung in den Estrichflächen wird dabei zusätzlich Energie gespart.
Von Architektur und Komfort wohlig umfangen, reut es mich schon fast, dass ich mir ein derart großes Freizeitprogramm auferlegt habe.
Wie im gesamten Haus sprechen auch in meiner Suite die historische Fundstücke für sich und entfalten bar jeglichen Kitsches (Alpendeko!) ein zauberhaft stilles Flair, das ich ungern verlasse. Lediglich zarte, kleine Blumensträuße erinnern liebevoll wie unaufdringlich an den Reiz der umgebenden Berg- und Buckelwiesen. Also nichts wie raus, es gib so viel Natur und Kultur zu entdecken!

Etwa ein Besuch im Franz Marc-Mueum im nahegelegenen Kochel am Kochelsee. Nahezu ein Pflichtprogramm und vielfältige Inspiration zugleich. Zu sehen sind neben Meisterwerken des expressionistischen Malers Franz Marc auch Kunstwerke seiner Zeitgenossen und anderer bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts.
Auch ein Besuch des Freilichtmuseums Glentleiten empfiehlt sich all jenen wärmstens, die sich noch näher mit dem Bauen, Leben und Wirtschaften in vergangenen Zeiten auseinandersetzen möchten.
Wer mehr als die gut bürgerliche Küche vor Ort möchte, landet vielleicht mit der alpenländischen Avantgarde Küche in der Speisemeisterei auf dem Tonihof im nahegelegenen Eschenlohe in seinem persönlichen Himmel der Bayern.
Und falls der Abend nicht im Restaurant ausklingen soll, wartet im Sommer der Grillplatz am Haus, alternativ die wunderbaren Plätze am Kamin.
Sollten Sie zur richtigen Zeit vor Ort sein, können Sie vielleicht auch Diringlo naschen. Die namensgebenden Edelpflaumen, auch als Reineclaude bekannt, haben am Hof eine lange Tradition.


Fotomotive des Hauses aus der Zeit vor dem Umbau finden Sie hier (© Karin Lochner).

Text: Ulrich Stefan Knoll, Dezember 2023

Fotos: © Coletta Ehrmann, Karin Lochner, Stephan Rauscher, Sebastian Vetter, Ulrich Stefan Knoll

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Ein Kommentar

Kurt Trüb sagt:
Zu Diringlo kann ich nur eins sagen: Donnerwetter!! Alle Achtung !!
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