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Umge­nutzt

In ganz Europa gibt es unzählige denkmalgeschützte Gebäude, die in den letzten Jahren zu neuem Leben erweckt wurden. Vielfach sind dabei auch besondere Ferienunterkünfte entstanden. Eine kleine Auswahl.

im Juni 2024

 Umge­nutzt in  /
saftstationen

Kultur in der ehe­ma­ligen Saft­station

In der 1884 erbauten Saft­station im Westen der däni­schen Insel Møn wurden früher Zucker­rüben ver­ar­beitet – heute kann man in den ehe­ma­ligen Indus­trie­ge­bäuden aus hellem Klinker seinen Urlaub ver­bringen, Feste feiern oder Ver­an­stal­tungen besuchen. Das Anwesen Saft­sta­tionen wurde 2019 voll­ständig reno­viert – dabei lag der Fokus auf dem Erhalt des Charmes der alten Fabrik. Ent­standen sind zwei Feri­en­woh­nungen für jeweils zwei Per­sonen, deren schlichtes, helles Inte­rieur dem skan­di­na­vi­schen Stil ent­spricht. Eigens für das Objekt ent­worfene Ele­mente schaffen eine besondere Atmo­sphäre. In dem zuge­hö­rigen Festsaal, der auch für private Feiern gemietet werden kann, finden regel­mäßig Kon­zerte und andere kul­tu­relle Ver­an­stal­tungen statt.

Umamma – das Apartment

Der erstaunte ita­lie­nische Ausruf „Umamma“ ent­fährt so manchem Gast beim Betreten des Apart­ments im tos­ka­ni­schen Städtchen San Miniato: Auf 230 Qua­drat­metern findet man hier eine außer­ge­wöhn­liche und dabei har­mo­nische Mischung aus Mit­tel­alter und Indus­trial Style. Alte Back­stein­mauern und ‑gewölbe treffen auf moderne, indus­trielle Ele­mente wie Stahl­rah­men­fenster oder Glas­wände. Ganze sieben Jahre dauerte es, bis der Palazzo aus dem 16. Jahr­hundert fertig restau­riert und die ursprüng­liche Struktur her­ge­stellt sowie die his­to­ri­schen Mate­rialien der Räume frei­gelegt waren. Heute strahlt das moderne Inte­rieur eine Läs­sigkeit aus, die durch den his­to­ri­schen Rahmen zusätzlich betont wird. Und – Umamma: Früher war hier tat­sächlich unter anderem einmal das leichte Gewerbe zu Hause.

umamma
convento olhao

Wohnen im Con­vento Olhão

Eine ruhige Oase mitten in der Alt­stadt des por­tu­gie­si­schen Städt­chens Olhão bietet das Con­vento Olhão. Obwohl der Name anderes ver­muten lässt, wurde das Gebäude früher als Wohnheim für Frauen genutzt, die in der Fisch­in­dustrie arbei­teten – die Archi­tektur und das ruhige Ambiente des heu­tigen B&Bs erinnern dennoch an ein Kloster. Von außen eher unscheinbar, öffnet sich nach dem Betreten ein von Säu­len­gängen gesäumter Innenhof, der sich über zwei Etagen nach oben öffnet und in dessen Mitte ein Spring­brunnen plät­schert. Inspi­riert vom mau­ri­schen Stil grup­pieren sich die ehe­ma­ligen Schlafsäle, heute die Gäs­te­zimmer, um den Hof. Sowohl Außen- als der Innen­räume sind in schlichtem Weiß gehalten, die redu­zierte Ein­richtung unter­streicht den his­to­ri­schen Cha­rakter des Hauses.

Auszeit im alten Schleif- und Polierwerk

Das denk­mal­ge­schützte ehe­malige Glas­schleif- und Polierwerk im Murnthal in der Ober­pfalz liegt in einem weit­läu­figen, üppig bewach­senen Park mit altem Baum­be­stand. Bis Anfang des 20. Jahr­hun­derts war die Region bekannt für ihre Schleif­werke – heute findet man hier Natur pur. In den his­to­ri­schen Gebäuden der Drei­seit­anlage Feri­en­woh­nungen Mit­ter­murnthal sind heute zwei ebenso puris­tisch wie stilvoll ein­ge­richtete Feri­en­woh­nungen mit den Namen „Schleif“ und „Polier“ unter­ge­bracht. Die eine bietet Platz für zwei Per­sonen, die andere für zwei Erwachsene und zwei Kinder – in beiden bilden die kom­for­table Aus­stattung, das mini­ma­lis­tische Inte­rieur und die his­to­rische Bau­sub­stanz ein har­mo­ni­sches Ganzes.

ferienwohnung mittermurnthal
tigharry schoolhouse

Urlaub im alten Schulhaus

Früher drückten die Kinder der Insel North Uist hier die Schulbank – heute beher­bergt das Tig­harry School­house im Westen Schott­lands eine moderne Feri­en­un­ter­kunft. Das Schulhaus aus dem 19. Jahr­hundert liegt inmitten von Feldern und Wiesen, nur zehn Geh­mi­nuten vom Strand ent­fernt. Die ehe­ma­ligen Klas­sen­zimmer und der Spei­sesaal wurden als Wohn­räume umgebaut, im benach­barten Cottage – früher das Wohnhaus der Lehrer – sind vier große Schlaf­zimmer und die Bade­zimmer unter­ge­bracht. Mit den Beton­böden und Glas­wänden wirken die bis unter das Dach geöff­neten Innen­räumen beinahe loft­artig, alte Die­len­böden und weiße Holz­pa­neele sorgen für eine warme Atmo­sphäre. Das Inte­rieur ist eine Mischung aus Vintage-Stücken und modernen Möbeln.

Was­serturm in Potsdam

Nur wenige Geh­mi­nuten vom Park Sans­souci ent­fernt steht, angrenzend an den Wildpark, der alte Was­serturm von Potsdam. Er wurde zu Beginn des letzten Jahr­hun­derts am dama­ligen Kai­ser­bahnhof erbaut und diente der Was­ser­ver­sorgung von Dampf­lo­ko­mo­tiven. Nach dem Umbau ist in dem his­to­ri­schen Bau heute eine Feri­en­wohnung unter­ge­bracht, die sich über sechs Ebenen und eine Dach­ter­rasse erstreckt – das Trep­pen­steigen gehört sozu­sagen zum Woh­n­er­lebnis. Das moderne und schlichte Inte­rieur im Was­serturm am Park Sans­souci schafft einen gelun­genen Kon­trast zu den erhal­tenen his­to­ri­schen Details wie den rohen Back­stein­wänden, den alten Eisen­treppen, der Kup­pel­decke im Erd­ge­schoss oder dem Was­sertank mit Ori­gi­nal­ar­ma­turen.

Wasserturm am Park Sanssouci
jacob 1808

Auf den Spuren der Tuch­händler

In den vier Stadt­häusern am Grub­platz im ost­schwei­ze­ri­schen Barock­städtchen Bischofszell lebten früher Tuch­händler, Hand­werker, Wirts­leute und Bischofs­zeller Hono­ra­tioren – bis sie im Jahr 1808 in den Besitz der Familie von Jacob Christoph Wehrlin über­gingen. Nach ihm ist auch das heute hier befind­liche Apart­menthaus benannt: Jacob 1808. Im Zuge des Umbaus wurden zwei der alten Häuser auf allen Ebenen mit­ein­ander ver­bunden. Dabei wurde der Charme der his­to­ri­schen Bau­sub­stanz mit den Stuck­decken, den Holz­ver­tä­fe­lungen und den Fach­werk­wänden erhalten und durch eine moderne Ein­richtung ergänzt. Dabei erzählt jede der fünf Woh­nungen ihre eigene Geschichte: Vom „Wirtshaus“ über die „Satt­lerei“ bis hin zum „Tuch­händler“ ist jede ein lie­bevoll kura­tiertes Unikat.

Loft im ehe­ma­ligen Laden­lokal

Das denk­mal­ge­schützte, Anfang des 20. Jahr­hun­derts erbaute, drei­flü­gelige Wohn- und Geschäftshaus im Meraner Eli­sa­bethpark gilt als eines der stadt­ge­schichtlich bedeu­tendsten Häuser des Kur­ortes. Der Architekt Markus Scherer hat in dem Ensemble nicht nur sein Büro unter­ge­bracht, sondern auch ein ehe­ma­liges Laden­lokal zu einer außer­ge­wöhn­lichen Feri­en­wohnung umgebaut. Das Par­cloft mit direktem Blick auf die Passer und die Wan­del­halle am gegen­über­lie­genden Ufer erstreckt sich über zwei Ebenen und ver­binden die his­to­rische Archi­tektur mit zeit­ge­nös­si­schem Design – Schränke aus Eiche und Wiener Geflecht treffen hier auf Wände aus Glas­bau­steinen und Vintage-Thonet-Stühle auf eigens für das Loft ent­worfene Möbel­stücke.

parcloft
la classe

Außer­ge­wöhnlich feiern in der alten Schule

Das alte Schulhaus in der bel­gi­schen Provinz Namur bietet eine char­mante Umgebung – ob zum Urlaub machen oder Feiern. In La Classe, dem 1863 erbauten, drei­stö­ckigen Gebäude mit Back­stein­fassade finden Familien ebenso wie Gruppen von bis zu 21 Per­sonen aus­rei­chend Platz. Die his­to­rische Bau­sub­stanz ver­leiht den Räumen einen eigenen Charme – zusammen mit der hoch­wer­tigen Aus­stattung und zahl­reichen Design­stücken ent­steht ein außer­ge­wöhn­liches Ambiente. Dabei ver­weist das Inte­rieur immer wieder humorvoll auf das Thema Schule: In der offenen Küche mit großem Ess­tisch und Loun­geecke hängen ver­schie­den­farbige Schul­stühle an der Wand, im Gemein­schaftsraum stehen alte Turn­geräte, überall trifft man auf Schul­tafeln, ob im Innen- oder Außenraum.

Feiern in der alten Fär­berei

Im frühen Mit­tel­alter wuschen die Mero­winger hier ihre Wäsche im Fluss, später wurde an dieser Stelle der Lahn die erste Fär­berei der hes­si­schen Bur­gen­stadt Runkel gegründet. Heute bietet die denk­mal­ge­schützte Alte Fär­berei Runkel aus dem Jahr 1928 Platz für Gruppen von bis zu 30 Per­sonen – ob für (Familien)Feiern oder Work­shops. In dem modern und redu­ziert ein­ge­rich­teten Gäs­tehaus gibt es fünf Dop­pel­zimmer, zwei Drei­bett­zimmer sowie einen Raum mit Matrat­zen­lager unter dem Dach. Ein großer Raum im Erd­ge­schoss kann zum Essen und Wohnen oder auch als Seminar- oder Par­tyraum genutzt werden. Die Lahn wird heute, statt zum Wäsche­wa­schen, bevorzugt für ein erfri­schendes Bad genutzt – zumindest von guten Schwimmern.

alte färberei runkel

Text / Zusam­men­stellung: Tina Barankay

Fotos: © Wirth Alonso Archi­tects (Was­serturm am Park Sans­souci, auch Titelbild), © Egon Gade (Saft­sta­tionen), © Andrea Vie­rucci (Umamma), © Theo Gould (Con­vento Olhão), © Mannhart Wolfgang (Mit­ter­murnthal), © Cara Forbes (Tig­harry School­house), © Marco Wüst (Jakob 1808), © Davide Per­bellini (Par­cloft), © Alex­andre de Radiguès (La Classe), © Ingmar Kurth (Alte Fär­berei Runkel)

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